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Einschreiben aus China

Wer sich mit Elektronikbauteilen oder Klamotten beschäftigt, bestellt vermutlich regelmäßig bei den bekannten Shops aus China wie Banggood, AliExpress oder Gearbest. Nach 4-6 Wochen kommt dann die Sendung — meist als Einwurfeinschreiben — an . Vor 2-3 Jahren wurden diese Sendungen noch als normale Einschreiben mit Unterschriftszwang (auf Kartonkärtchen) verschickt, mittlerweile hat die Post ihren Mitarbeitern Smartphones mitgegeben und der Postmitarbeiter (bei Einwurfeinschreiben. Oder in seltenen Fällen der Kunde) unterschreibt auf dem Display.

Aber warum funktioniert so ein Geschäftsmodell, bei dem oft geringwertige Artikel um die halbe Erdkugel transportiert werden und beim Zusteller im teuren 1.-Welt-Land den Mehraufwand erzeugen?

Soweit ich es herausfinden konnte, liegt der Ursprung in den Regularien des 1874 gegründeten Weltpostvereins (UPN, HQ: Bern, Schweiz). Der Verein regelt die Zusammenarbeit der jeweiligen Postdienstleister – auch tariflich.

Man erkannte schon damals, dass die Hürden und Kosten des Transports und der Zustellung unterschiedlich hoch sind und technisch-wirtschaftlich unterentwickelte Nationen im Nachteil sind. Deshalb schuf man für Entwicklungsländer ein günstiges Gebührenschema, was auch heute noch (in Teilen) für China Gültigkeit hat: Wir kaufen zwar Produkte aus oder für “die erste Welt”, aber China ist zu großen Teilen noch immer ein sehr rückständiges Entwicklungsland – oder so eingestuft.

Ende 2018 hat man das Regime verändert, die Versandkosten sind jetzt höher und es kommt zu einer veränderten Abwicklung, wie ich die letzten Wochen beobachten konnte:

  1. Kleinteile als Brief versendet verstoßen früher wie heute gegen die Brief-Definition, im Zuge der Tarifanpassungen sollen hier schon vermehrt Sendungen zurückgeschickt bzw. die Übernahme verweigert worden sein.
  2. Mittelgroße Sendungen werden bereits in China von DHL China übernommen und in Deutschland über Niederaula von der Post mit einem innerdeutschen Etikett versehen. Vermutlich werden hierbei mehrere tausend Sendungen gebündelt und dann via DHL von China nach Deutschland verbracht und dort einzeln weitergeleitet. Die Kosten für Endkunden liegen hier im Bereich von 1-3€ statt des früher üblichen Gratisversandes.
  3. Anbieter wie Banggood nutzen bei entsprechender Versandoption “Priority/Direct Line” u.a. einen privaten Remail-Anbieter in Köln. Weiterhin gibt es “europäische Lager” von denen dann meist mit Hermes eine Zustellung erfolgt (bei mir aus UK).
  4. Die billigste Versandart für Kleinteile ist zur Zeit “Yanwen”. Dieser Laden sammelt und bündelt in China Sendungen um sie dann auf die Philippinen zu bringen und von dort dann nach Deutschland remailen zu lassen. Hierbei ist das Gesamtvolumen wohl bisher noch unter dem Radar bzw. noch nicht auf dem alten China-Niveau. Ich bin gespannt, wie lange dieses Schlupfloch noch nutzbar ist.

Im Übrigen haben die Veränderungen auch zur Folge, dass auch Li-Ion-Akkus nicht mehr einfach so “dazwischengeschmuggelt” werden können. Airlines und Post/Paketdienstleister verbieten oder beschränken den Versand von Akkus und stellen Limite hinsichtlich der Zahl und Verpackungen pro Sendung auf – aus Sicherheitsgründen.

In Q4 waren fast keine Akkus mehr aus China nach Deutschland lieferbar, mittlerweile wurde wohl ein neues Schlupfloch gefunden, oder man baute in Europa regionale Lager auf, welche man per Bahn oder Schiff mit Akkus auffüllte. Vereinzelt wurde/wird via Turkis Airlines und Istanbul in die EU geliefert, vermutlich weil sich bei Turkish Cargo noch keiner für die Li-Ion-Brandgefahr interessiert. In Anbetracht der großen Zahl an 18650-Fake-Zellen scheint ein Kauf bei europäischen Händlern sowieso die bessere Wahl zu sein.

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