Dank des US-Nationalarchivs sind alle nach 1945 geretteten Karteikarten der NSDAP-Mitgliederdatenbank öffentlich. Leider ist die Recherche mühsam, auch wenn einige deutsche Zeitungen die Daten (gegen Geld) aufbereitet haben und mittels OCR/Handschrifterkennung durchsuchbar machen, treten Fehler auf.
Natürlich habe auch ich versucht, über meine Vorfahren und deren Verwandte Informationen zu finden. Ich bin bis auf eine Ausnahme nicht fündig geworden.
Die Ausnahme ist der Bruder meines Großvaters väterlicherseits, der bei der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft Bahnhofsvorstand war. Geboren im Deutsch-Schweizer-Grenzgebiet hat er, soweit ich weiß, auf dem ersten Bildungsweg gradlinig Karriere gemacht, während mein Großvater (angeblich) früh von Zuhause weg zur christlichen Seefahrt ging.
Der Bruder war also auf einigen Bahnhöfen im südbadischen Raum tätig, unter anderem auch auf einem Bahnhof der Hochrheinbahn auf Schweizer Gebiet. Beringen.
Ironischerweise ist er später in die Schweiz ausgewandert und hat sich dort ein Einbürgern lassen (was kostspielig ist).
Zwar war die Mitgliederdichte unter Bähnlern, Postlern, Polizisten relativ hoch, doch das frühe Eintrittsdatum von 1934 lässt keinen Raum zur Distanzierung offen.
Wenn hingegen 18-jährige 1943/44 oftmals alle am selben Tag eingetreten sind, kann man durchaus Druck unterstellen oder einfach die Folge der Indoktrination der Jugend durch das System.
Was einzelne Menschen getan haben, was sie gewusst haben, wie viel „Blut“ sie an ihren Händen hatten, bleibt gänzlich unbeantwortet. Und es fehlen trotzdem Akten.

