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Steht Conrad Eletronic vor der Insolvenz?

Conrad Electronic ist einer der größten deutschen Elektronik-Versandhändler und Betreiber eines Filialnetzes. Das Unternehmen aus Hirschau in der Oberpfalz befindet sich bis heute im Familienbesitz und ist unter anderem Online mit mehreren alternativen Marken aktiv, wie z.B. Voelkner und Digitalo. Am Markt kämpft Conrad Eletronics SE gegen internationale Marktführer wie Amazon und bereits ins straucheln gekommene Unternehmen der Ceconomy AG (MediaMarkt, Saturn).

Ende letzte Woche wurde im Web-Shop der Conrad Electronic SE eine 1TB SSD zu einem günstigen Preis von 89€ angeboten, vergleichbare SSDs gab es bisher in einer Preisaktion zuletzt für 99€ bei Saturn.

Trotzdem war der Preis günstig, das Angebot sprach sich unter anderem my MyDealz und Gamestar.de herum, vermutlich tausende Menschen haben daraufhin bestellt und vielfach sofort bezahlt z.B. per Paypal.

Weitere Web-Shops der zu Conrad Electronic gehörenden Re-In Retail GmbH, namentlich Voelkner.de und Digitalo.de, boten die SSD zu diesem Preis ebenfalls an, zudem wurden personalisiere Werbung ausgespielt und das Produkt zu dem Preis beworben (Retargeting).

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(Screenhot von MyDealz-User harrypocher)

Am 31.12.2018 wurde per Mail den Bestellern sogar eine Lieferung ab 10.01.2019 in Aussicht gestellt.

Doch am 02.01.2019 wurden sämtliche Bestellungen storniert, oft kommentarlos. Manche Kunden erhielten eine Mail mit PDF-Anhang(!):

Bis heute wurde die geleisteten Zahlung bei mir und anderen MyDealz-Usern jedoch nicht erstattet.

Preisfehler passieren und verpflichten den Verkäufer nicht zu einer Lieferung, aber hier sind einzelne Faktoren höchst verdächtig:

  1. Der Preisfehler blieb, trotz Nachfragen beim Kundendienst, ca. 4 volle Tage online, davon 2 Werktage (28.12 und 31.12). Im ganzen Zeitraum wurde der Artikel als lieferbar (mit Datum) dargestellt.
  2. Der Preisfehler wurde automatisch über mehrere rechtlich unabhängige aber zur Conrad-Gruppe gehörende Stores “verteilt”.
  3. Der Stornierung folgte keine automatische Rückerstattung geleisteter Zahlungen
  4. Das ganze spielte sich über einen Monats, Quartals und Jahreswechsel ab

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, die beide sehr unschön sind:

  1. Conrad, als einer der größten deutschen Versandunternehmen, ist strukturell inkompetent, erkennt Nachfrageanomalien oder Preisanonmalien nicht automatisch, kann Lagerbestände nicht automatisch im Shop aktualisieren, beobachtet nicht redaktionelle Nennungen in Preisvergleichsforen, hat keine Rufbereitschaft zur Alarmierung bei vorgenannten Anomalien und kann bei Stornos nicht automatisch Zahlungen rückabwickeln. Dazu passt allerdings nicht das Retargeting und die automatische Preisanpassung in den anderen Shops, die für einen hohen Automatisierungs- und Optimierungsgrad sprechen.
  2. Man hat die Aktion absichtlich lanciert um zum Jahresende Umsatz, Bestellungszahlen und Kundenzahlen zu frisieren und gegenüber Banken, potentiellen Investoren und Geschäftspartnern eine positivere wirtschaftlichere Darstellung zu vermitteln, als dies in Wirklichkeit der Fall ist. Bei PayPal könnte eventuell sogar eine Kreditlinie überschritten worden sein, was Rückbuchungen behindert.

Beide Möglichkeiten, Inkompetenz oder Vorsatz, sprechen dafür, dass in Hirschau die längste Zeit ein Versandunternehmen aktiv war: Wer bereits an den unter 1. genannten Prozesse scheitert, wird sich im immer härteren Wettbewerb nicht mehr lange behaupten können, wer wie unter 2. genannt jetzt schon die Bilanz frisieren muss, befindet sich bereits im fortgeschrittenen Existenzkampf.

Ich habe heute Mitarbeiter angewiesen und befreundete Geschäftspartner darüber informiert, ab sofort keine Bestellungen mehr an Unternehmen der Conrad-Gruppe zu vergeben um mögliche Insolvenzrisiken zu vermeiden, sich aber mindestens die Scherereien zu sparen.

Dies betrifft:

  • Conrad.de
  • Voelkner.de
  • Digitalo.de
  • Re-In Retail International GmbH
  • SMDV.de
  • ggf. andere Marken der Conrad Electronic SE

Im übrigen sind die Preise bei Conrad durch die Bank sehr schlecht geworden, Alternativen wie Reichelt sind allgemein deutlich günstiger und zuverlässiger.

Liebe zum Detail: Nachträglich angepasster Preis einer Bestellung (no-go) und nicht definierter Text

Ein Kommentar

  1. Cactus Cactus

    Vielen Dank gut zu wissen. Aber solche Probleme mit dem liefern von bestellten Sachen hatte auch Media Markt Probleme vor Weihnachten. Dort lag es aber an der schlechten IT Logistik Infrastruktur. Das Geld gab es aber ohne Probleme zurück.

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