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Fehler verzeihende Infrastruktur?

Wieder wurde in München ein Radfahrer getötet und es bringt mich aus zwei Gründen besonders zum Grübeln.

Der Vater fuhr mit seiner zweijährigen Tochter auf dem Rad über die Kreuzung am FJS-Ring, direkt zwischen Verkehrsministerium und Staatskanzlei.

Ein abbiegender Autofahrer erfasste die beiden. Obwohl beide Helme trugen, verstarb der Vater später im Krankenhaus.

Sowohl der Autofahrer als auch der Radfahrer sollen über rot gefahren sein.

Die Stelle liegt in einem 50 km/h Gebiet mit schlechter Radweg-Infrastruktur, die ich vor einigen Wochen selbst erfahren habe:

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Ab ca Minute 5:50 beginnt die Fahrt über die Von-der-Thann-Strasse. Kurze Zeit später muss man am Prinz-Carl-Palais einen Schlenker fahren und kommt dann direkt auf den Unfallort.

Auch ich bin bei dunkelgelb gefahren, weil noch Fussgänger auf der Kreuzung waren.

Bisher war ich naiv und dachte, es träfe 1. besonders Ü80 Radfahrende ohne Helm oder 2. Situationen mit rechtsabbiegenden LKWs. Mitten in der Stadt, trotz Helm, so einen katastrophalen Ausgang mit jungem Radfahrer hätte ich nicht erwartet.

Und auch nicht dort, unweit der Touristen-Hotspots gegenüber dem Haus der Kunst.

Die Radfahrer-Szene hielt deshalb gestern eine Trauer/Mahnveranstaltung ab, die ich besuchte. Im Gespräch mit einem Aktivisten sah ich zufällig, wie eine G-Klasse bei rot über die Ampel fuhr und dabei auch noch beschleunigte.

Bei der Hinfahrt zuvor nahm ich einen Lufthansa-Shuttlebus in der Ludwigstraße wahr, der gerade abgeschleppt wurde. Heute las ich in einer Zeitung, dass er beim Abbiegen eine Person überfahren und ebenfalls getötet hat.

Der Altstadtring, die Ausfallstraßen insbesondere Ludwig/Leopoldstraße sind zudem fest in der Hand von Autoposern. Fehlzündungen und andere Lärm-Optimierungen sind dort an der Tagesordnung. Besonders am Wochenende und am Abend.

Polizei und Ordnungsamt schauen weg, wie auch in Fahrradstraßen, die in München eine Farce sind, weil sie auch für Autos freigegeben werden. Dort wird mit <1m Abstand überholt, genötigt, beleidigt und Gewalt angedroht.

Spricht man mit Polizisten, muss man feststellen, dass einige nicht mal die StVO diesbezüglich kennen. Also findet auch kein Eingreifen statt.

Weil die grün-rote Lokalpolitik unter SPD-OB Reiter überwiegend selbst keine Radfahrenden sind, werden Probleme verdrängt oder bagatellisiert. Kein “skin in the game”, dazu Beamten-Mikado und Eigenlob. Auf Landesebene/CSU sowieso.

Jetzt hat sich die Stadt auch ganz offiziell der Autolobby ausgeliefert, die für ihre IAA-Propagandaschau öffentlichen Grund belegen darf, so wie gerade am Königsplatz.

München, Hauptstadt der Bewegung?

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