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KI wird Software-Entwicklung/SaaS nicht ersetzen

Immer mehr Leute probieren gerade agentic coding aus und sind beeindruckt, wie man mit „menschlichen Eingaben“ für ein paar tausend Token eine Anwendung generieren oder anpassen lassen kann. Daraus wird jetzt geschlussfolgert, dass die Software-Industrie als Ganzes und die Software-Entwicklung als Profession vorbei bzw. erledigt wären.

Nichts könnte falscher sein, als das. Wer ernsthaft die letzten 30 Jahre in der IT tätig war, der weiß und kann bestätigen, dass Requirements-Engineering, Testing und QA wichtige Arbeiten sind, die man nicht automatisieren kann. Am Ende müssen Menschen die Anforderungen definieren und absegnen und die Umsetzung und den Betrieb sicherstellen.

Vor 15 Jahren gab es Delulu-Gründer ohne Technik-Kompetenz, die einfach „sowas wie Facebook/eBay/Amazon/Uber/AirBnB/… für X“ bauen lassen wollten, aber natürlich nicht in der Lage waren, die Komplexität zu begreifen und Anforderungen genau zu definieren. Ich kann natürlich auch Claude Code sagen, dass er mir eine App bauen soll, dann wird analysiert, was typischerweise(!) mit dieser Anforderungen verbunden wird (so funktionieren LLM, alles eine Frage der Statistik) und dann wird generiert.

Ein Großteil des Software-Geschäftes fußt aber eigentlich darauf, dass man die Definitionshoheit, aber auch Verantwortung an andere abgibt. Also davon ausgehen kann, dass jemand für Geld ein „rundes Produkt“ bereitstellt. Heute und auch in der Zukunft. Und genau das kann kein LLM ersetze, kein agentic coding toolkit.

Eine triviale Zeiterfassung- oder Buchhaltung kriegt jedes dieser Systeme in wenigen Minute hin, aber es ist untauglich für den praktischen Einsatz, da Nutzende die Tiefe des Problems nicht selbst verstehen, sondern bisher jemand anderes damit beauftragt haben. Sie wissen also nicht, was sie nicht wissen und können keine passenden Prompts schreiben.

Da es keine physischen Grenzen gibt, außer Token/Geld und Zeit, entwickeln gerade viele Leute irgendeinen Schrott und sinken dabei immer tiefer in bisher nicht verstandene Probleme, die sie eigentlich auch nicht verstehen oder lösen wollen.

An den Börsen crashen gerade die Aktien von Software-Unternehmen und das halte ich für absoluten Blödsinn. Natürlich wird die Einstiegshürde geringer werden, existierende Unternehmen zu kopieren, sofern ebenfalls fähige Senior Developer und Projekt-Manager welche strategisch und schlau vorgehen, also wissen, was sie tun. Es ist also eine massive Arbeitserleichterung für uns.

Alle anderen werden verzweifeln.

Wie immer gilt: Keine Handlungsempfehlung, da die Märkte länger irrational sein können, als wir liquide. Auch sind Software-Buden natürlich abhängig von der wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklung, d.h. da gibt es durchaus auch fundierte Gründe für eine Korrektur. Wo dann der faire Wert erreicht ist, bleibt offen.

Natürlich gibt es Geschäftsmodelle, die nicht mehr funktionieren werden. Ich persönlich lache immer über diese „KI-Sales-Leute“, die mit N8N und anderen Toolkits vorgeben, komplexe Arbeitsabläufe für Unternehmen zu realisieren. Dabei geht es fast immer um Anrufbeantworter bzw. Telefoniesysteme oder generieren von Mails. Das ist alles hoffnungsloser Bullshit und ineffizient.

Wenn ich z.B. einen Termin/Tisch beim Arzt oder im Restaurant will, möchte ich keinen Roman schreiben, sondern einfach auf der Website nach 3-4 Auswahloptionen eine Liste von freien Terminen bekommen und buchen. Nur Rentner und technologisch komplett verlorene Menschengruppen rufen per Telefon an, selbst wenn die Spracherkennung halbwegs funktionieren sollte. Darin steckt kein Potenzial, sondern nur ein Kostenfaktor.

Diese Verkäufer haben selbst keine Ahnung und sich ein paar Arbeitsabläufe ausgedacht, die sie jetzt immer und immer wieder verkaufen wollen. So wie Handyverträge vor 25 Jahren. Die schnelle Mark machen und Provisionen kassieren.

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