Seit über 10 Jahren verfolge ich Elektronik-Experten beim Reparieren von Notebooks, Smartphones, TVs und anderen elektronischen Geräten auf Halbleiterbasis. Das Muster ist fast immer so: Ein (teures) Gerät stellt seine Funktion komplett ein, weil ein Bauteil im Centbereich defekt ist. Entweder durch Alterung oder externe Einflüsse (Wasserschäden etc.).
Und bis auf wenige Bereiche waren oder sind die Arbeiten nicht wirtschaftlich. So gab es jahrelang bei Apple Macbooks eine Möglichkeit, mit inoffiziellen Ersatzteilen die Geräte wieder 100% funktionierend zu reparieren, sofern die Schäden über das übliche Maß nicht hinausgingen. Der hohe Anschaffungspreis wie auch die Wertstabilität machten das ganze auch wirtschaftlich interessant. Louis Rossmann, früher New York City, war einer der Protagonisten und Vorkämpfer auch für die Gesetzesinitiative „Right to Repair“, doch Bürokratie einerseits und Hersteller, die mit artifiziellen Hindernissen eingriffen, damit Geräte nicht mehr reparabel sind. So werden sämtliche Bauteile per proprietärer Software freigeschaltet bzw. wenn die IDs der Bauteile nicht freigeschaltet sind, werden sie nicht akzeptiert, selbst wenn sie technisch vollkommen in Ordnung sind z.B. weil sie aus einem anderen Apple-Gerät stammen.
Bei Smartphones ist das ähnlich, die meisten Anbieter spezialisieren sich deshalb auf Datenrettung, da hier die Kundschaft oft bereit ist, signifikant mehr Geld zu bezahlen und andererseits das Gerät am Ende nicht mehr funktionieren muss.
Dass Bauteile im Wert von wenigen Cent den Unterschied zwischen Totalschaden und vollständiger Reparatur ausmachen, sieht man z.B. auch im Fahrradbereich. Während im E-Bike-Segment eine ähnliche proprietäre Welle die Reparierbarkeit einschränkt oder unterbindet (aktuell schaffen es Akteure im Graubereich noch, z.B. Bosch-Motoren zu reparieren. ohne hierfür Unterstützung zu erhalten) sind generell die Arbeitszeitkosten ein enormes Problem. Wenn Arbeiten schlicht 1-2 Stunden dauern, dann ist es auch egal, ob das Ersatzteil 1€ kostet, weil 2 Arbeitsstunden Lohnkosten draufgeschlagen werden müssen.
So werden preemptiv viele Bauteile einfach auf Verdacht komplett getauscht, weil das Ausbauen, Auseinandernehmen, Analysieren, „das richtige Cent-Bauteil finden und einbauen“ schlicht wirtschaftlich nicht darstellbar sein.
Zurück zum Elektronikbereich: Ein neuer deutscher YouTube-Kanal namens „CCTV Repair4You“ konzentriert sich auf moderne Fernsehgeräte. Stundenlange detaillierte Videos zeigen die Kunst der Fehlerbehebung, wirtschaftliche Aspekte scheinen aber keine Rolle zu spielen. Neugeräte sind so billig, dass die Arbeitskosten für 2 Personenstunden sicherlich nicht marktfähig sind.
Weiter im Applebereich tätig ist Paul Daniels aus Australien, der häufig auch live repariert: