Aktuell steht Denis Scheck in der Kritik, man nimmt ihm seine überspitze Buchkritiken in seiner Fernsehsendung übel, bei dem er nicht nur ein gnadenloses Urteil fällt, sondern dieses auch manchmal sexistisch und herabwürdigend ausfällt.
Eine ganze Nation saß in den 90er vor dem Fernseher, wenn das Literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki gesendet wurde und dort, meist von MRR selbst, gnadenlos Werke zerrissen wurden. Fundamentalkritik am Autor gab es gratis dazu.
Hört man sich die Werkkritiken aus dem Opern- und Theaterbereich im Deutschlandfunk Kultur an, dann kann man auch dort eine sehr brutale Kritik hören, wenn es dem oder der Kritikerin nicht gepasst hat.
Lange Jahre war der Spielplan klar: Je drastischer und verletzender die Kritik, desto mehr Reichweite. Das Publikum will nicht nur Drama in den Werken, sondern auch im Kulturbetrieb. Das steht im Einklang mit sämtlichen Bewertungsmustern der Menschheit: Gibt es Probleme, wird drastisch kommentiert, war es gut oder okay, hört man viel weniger.
Ob das nun bei Amazon, bei eBay („1A+++ Blogger gerne wieder“), AliExpress oder der FAZ ist.
Viele Autoren und Kunstschaffende trifft ein Verriss sehr hart. Immer hängen Existenzen und ein persönlicher Ruf daran. Es gibt keine Reichweite für eine Replik, kein Duell, keine Diskussion. Der Experte hat gerichtet.
Martin Walsers „Tod eines Kritikers“ spielt genau darauf an.
Ich verstehe alle Seiten. Betroffene Kunstschaffende, die sich sexistische oder anderweitig herabwürdigende Sprüche anhören müssen und gleichzeitig Kulturredakteure, die um Aufmerksamkeit jagen mit provokanten Standpunkten. Wen die Folge jetzt die Einstellung solcher Medienformaten sein soll, wird der Kulturjournalismus komplett implodieren. Lobhudelei die an Produktplatzierungen erinnern, wie im Bereich Reise- und Automobiljournalismus, werden jedenfalls im Kulturbereich ebenso wenig erkenntnisgewinnend sein und nur die einfachen Geister zum Kauf animieren.
Das können aber gezielte Produktplatzierungen auf TikTok, YouTube und anderen Socials deutlich besser, als Lineare-TV oder Print/Text-Journalisten.