Zum Inhalt springen

Wie man Medien reinlegt um gratis Werbung zu erhalten

Der Amazon-Gründer Jeff Bezos hat ein Kamerateam des Senders CBS eingeladen um eine „revolutionäre Technologie“ vorzustellen. Alles ist geheim, vorab sind angeblich keine Informationen geflossen.

So macht sich das Team des US-Fernsehsenders CBS auf zum Hauptquartier von Amazon.com wo sie von Jeff Bezos persönlich empfangen werden.

Daraufhin wird ihnen das „Amazon Prime Air“-Werbevideo vorgespielt und zwei nicht flugbereite Drohnen zur Ansicht vorgestellt.

Dazu wird eine sehr innovativ klingende Story inszeniert: Amazon plane, zukünftig Bestellungen binnen 30 Minuten per Drohne auszuliefern! Okay, es gäbe noch etwas regulatorische Probleme, aber bis 2015 wäre es durchaus möglich. Keine Live-Vorführung, nichts. Nur das von Amazon selbst produzierte Werbevideo was übernommen wird, ein längeres Interview mit Bezos und Material aus einer Führung durch ein Versandlager (Distribution Center).

Wow!

Knapp 20 Minuten gratis TV-Werbung für Amazon, ausgerechnet am Tag vor Cyber Monday.

Dann: Unreflektierte Übernahme dieser Story von sämtlichen Medien im In- und Ausland. Ein klasse Marketing Stunt — ja, ein Geniestreich!

Die zu vermittelnde Botschaft ist klar: Amazon liefert binnen 30 Minuten und ist immer ganz vorne mit dabei, was technologischen Fortschritt zum Wohle des Kunden bedeutet. Ganz ohne Black Friday Rabattschlacht oder Probeflug einer Drohne. Wer am Cyber Monday bestellt, ist Teil dieser innovativen Zukunft!

CBS ist eine kommerzielle Station, wie qualitativ deren journalistische Tätigkeit üblicherweise ist, kann ich nicht beurteilen. Das aber auch öffentlich-rechtliche und Qualitäts-Medien wie Deutschlandradio Kultur diese „Nachricht“ 1:1 übernehmen und somit unbewusst aktive Werbung für Amazon machen, erstaunt mich schon sehr.

Richtig daneben gegriffen hat die Süddeutsche Zeitung: Man wollte gutes tun und hat sich nicht auf die 1:1 Übernahme von DPA zurückgezogen sondern vermutlich etwas eigenen Text geschrieben und sogar noch einen „Experten“ gefunden:

Ryan Calo von der Universität Washington (State) wird als Drohnenexperte aufgeführt.

Interessanterweise hat Ryan Carlo gerade ein Paper zu einem anderen Thema veröffentlicht:

Digital Market Manipulation

Selbst diese minimale Recherche-Leistung wurde nicht erbracht, sonst hätte man ja wissen müssen, dass es sich alles nur um einen Marketing Stunt handelt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu