Zum Inhalt springen

RIP Weltbild

Nun hat also Weltbild einen Insolvenzantrag gestellt, weil die Kirche als großer Gesellschafter kein weiteres Geld investieren bzw. Sanierungsrisiken übernehmen wollte.

Während die Insolvenz vermutlich unmittelbar nur Weltbild selbst betrifft, so steht es für mich ausser Frage, dass durch da DBH Joint-Venture zwischen Hugendubel und Weltbild auch bei Hugendubel zu massiven Verwerfungen führen wird und vermutlich auch zu einer baldigen Existenzbedrohung:

Hugendubel sieht sich selbst im Premiumsegment und hat daher üblicherweise Filialen an sehr teuren Standorten wie am Marienplatz, am Stachus und in sämtlichen Einkaufszentren Münchens. Hier fallen sehr hohe Miet- und Personalkosten an. Ein Ladengeschäft kann weiterhin aber auch nur ein überschaubares, populäres Grundsortiment bedienen sowie Artikel jenseits von Büchern: Kalender, CDs, Grußkarten, Poster …

Durch die massive E-Commerce-Verschiebung hin zu Amazon dürften auch diese Flagship-Stores aktuell leidlich profitabel arbeiten, vermutlich in einzelnen Fällen auch bereits die größte Zeit des Jahres defizitär. Hier kann Hugendubel prinzipbedingt aber keine Kosten mehr senken: Eine Filiale lässt sich ohne Personal und einer gewissen Ladenfläche nicht betreiben. Immobilieneigentümer dürften zudem wenig Interesse haben, Hugendubel die Miete zu stunden, solange andere Handelsketten Interesse an der Anmietung haben.

Eine Verlagerung an günstigere B oder C-Standorte würde die Laufkundschaft vernichten und stellt keine Option dar.

Was das Geschäft jenseits des Ladensortiments angeht, so wird dies meines Wissens bereits vollständig von den üblichen Grossisten (Libri, KNV…) übernommen.

Wer selbst schon mal ein nicht vorhandenes Buch bei Hugendubel bestellt hat, weiss, dass dies im Laden sehr unbequem ist: Man muss erst einen Mitarbeiter finden, dann die ISBN sagen oder suchen lassen, dann eine Anzahlung leisten und 1-2 Tage später zum Ausgabeschalter gehen. Amazon ist 1000x bequemer und das Buch kommt ohne Anzahlung und Versandkosten zu einem nach Hause.

Ich sehe keine Chance, wie Weltbild aber auch Hugendubel die nächsten 5 Jahre überleben können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu