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Bayerisches Elend

Das in weiten Teilen der sozialen und wirtschaftlichen Themen absteigende Bundesland Bayern hat auch schöne Seiten die allerdings per Rad nicht besonders gut zu erreichen sind. Oftmals sind offizielle Radwege reinste Schotterpisten mit aus dem Boden herausragende Kanaldeckel, Wurzelstümpfe oder 10cm-tiefe Löchern.

So war ich gestern mit dem Rad von München aus an der Würm entlang durch das Mühltal nach Starnberg und weiter bis nach Tutzing gefahren. Der Weg im Mühltal ist eher ein MTB-Trail als ein Radweg, vermutlich fahren dort normale Menschen kein Rad, die Markierung im „Fahrradland-Bayern“ die hier vermutlich weiter der Propaganda, man würde hier „alle“ Verkehrsmittel unterstützen, statt nur umweltschädliche Autos.

(Die Fotos zeigen die genannten schlimmen Abschnitte nicht, hierzu habe ich jedoch Bildmaterial in 4K aufgenommen und werde dies in den nächsten Monaten auf meinem YouTube-Kanal veröffentlichen)

So wird man dann im weiteren Verlauf ab Starnberg „offiziell“ durch eine Wald-Schotterpiste geschickt, damit die alten Leute den Fußweg am Seeufer für sich haben. Bei erster Gelegenheit habe ich dann sämtliche Verbote ignoriert und bin am See entlang weitergefahren, wie einige andere Radfahrende auch.

Unterwegs bot sich ein Zwischenhalt bei Lidl an, um mein OMAD (one meal a day) zu kaufen, was u.a. aus TK-Gemüse-Fertiggericht, Brötchen und Käse bestand. Nach 35km nüchterner Fahrt konnte ich direkt am Seerand kochen und essen. Als Dessert gab es leider nicht besonders gut schmeckende Streusel-Teilchen von Lidl und natürlich einen Kaffee aus der Aeropress.

Trangia Spirituskocher

In Starnberg habe ich mehrmals das Vergnügen gehabt, mit komplett verwirrten Senioren in hohem Alter und ihren Autos in Konflikt zu geraten. Die Leute sind komplett überfordert, fuhren falsch herum in Einbahnstraßen, missachteten Vorfahrtregeln, überholten trotz Gegenverkehr, übersehen Radfahrende etc.

Hier sollte man wirklich mal eine generell verpflichtende jährliche Gesundheitsprüfung z.B. ab 65 Jahre und im speziellen an Wochenenden Polizeikontrollen in Starnberg durchführen.

Es ist nicht realistisch, bis zum Altenheim mit dem eigenen Auto fahren zu dürfen. Diese Gruppe ist schlicht ein tödliches Risiko auf vier Rädern und die gesamte Ausrichtung auf den Autoverkehr im Alltag zeigt ihnen die Hilflosigkeit und so wird trotz massiver Ausfallerscheinungen weitergefahren, statt den Führerschein abzugeben.

Während es in anderen Ländern (Niederlande) Mobility-Scooter und Pedelec-Dreiräder gibt, die auch im hohen Alter und mit Erkrankungen wie Parkinson oder nach Schlaganfällen noch eine individuelle Mobilität erlaubt, ohne dadurch Dritte zu gefährden, gibt es bei uns so gut wie nicht. Entweder Auto oder Abhängigkeit.

Also müssen Unschuldige Dritte daran glauben, die umgefahren werden und keine 2 Tonnen Stahl und Airbags um sich herum haben.

Starnberg Bf

Nach der Rückfahrt mit der S-Bahn von Tutzing zur Donnersberger Brücke in München, hat mich auf der weiteren Heimfahrt ein VW Crafter geschnitten, während ich auf einem Radstreifen fuhr. Mein Bremshebel ging kaputt, einen Sturz konnte ich gerade noch vermeiden. Der Fahrer wollte erst flüchten, hielt dann nach 50m aber doch an.

Die von mir gerufene Polizei hat eine Verfolgung der schweren Verkehrsgefährdung nicht interessiert, bis auf den Austausch der Personalien.

Ironischerweise stammt der Verursacher aus Gauting, also ca. 500m neben der von mir Stunden zuvor passierten Strecke…

Grundsätzlich wäre das alles vermeidbar, würde man in München die große Anzahl an Minderleistern in der öffentlichen Verwaltung radikal aussortieren und auf der Fahrbahn verlaufende Radwege durch Poller vor einer Überfahrt sichern. So wie in Berlin, London oder New York City.

Selbst das konsequente Einfärben wird in München mit fadenscheinigen Ausreden abgelehnt. Schuld hat hier das seit Jahrzehnten regierende SPD-Regime und unklaren Beziehungen einzelner Rathaus-Mitarbeiter zu lokalen Automobilherstellern.

Dies ist auch der Grund, warum die spärliche Popup-Bikelanes überwiegend wieder abgebaut wurden. Herr OB Reiter wurde zudem noch nie auf einem Fahrrad gesichtet.

Ein Kommentar

  1. Edgar Edgar

    Hi Roland,

    ich musste ziemlich oft „ja so isses“ beim Lesen des Artikels vor mich hin murmeln.
    Jeder (München-)Radler kennt die geschilderten Situationen … meist aus eigener leidvoller Erfahrung 🙁

    Ich lebe seit ca. 15 Jahren ohne Auto und fahre seit über 30 jahren viele Wege mit dem Rad.
    In den letzten Dekaden hat sich in München fast nichts für Radfahrer getan.
    Während München am Autokollaps erstickt, werden Zubringerautobahnen ausgebaut, anstatt in den ÖPNV oder Radinfrastruktur zu investieren.

    Wenn man aus den Nachbarländern Niederlande, Schweden oder Dänemark als Tourenradler nach Wochen on-the-road die Grenze nach Deutschland passiert, bekommt man den Kulturschock sehr schnell zu spüren:
    keinerlei Rücksichtnahme und wenig Kenntniss der StVO auf Seiten der Autofahrer bei uns; so gut wie keine Investitionen in brauchbare Fahrrad-Infrastruktur oder -Sicherheit.
    Wie es geht, kann man sich um die Ecke in NL, DK, SE seit Jahren angucken.

    In DE fehlt der breiten Masse das Bewußtsein für andere Verkehrsmittel und die Empathie für andere Verkehrsteilnehmer.
    Die Deutschen sind ein Volk von ziemlich rücksichtslosen Autofahrern.
    Viel zu viel dreht sich um das goldene Kalb Auto.
    Dem Fetisch wird viel zu viel geopfert.
    Die Masse radelt höchstens als Freizeitvergnügen oder Sport (und selbst dann fährt man Auto; das Rad Huckepack)

    Ich finde es gut, dass wir trotz alledem das Radeln nicht lassen.
    In diesem Sinne:
    keep rollin‘ + greets,
    Edgar

    P.S. wenn du einmal wieder im Würmtal bist, schau vorbei!
    Ich wohne in Planegg (ich schicke dir meine Daten per PM).

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