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Insolvenzverwertungen vernichten Werte

Im Industriebereich gibt es in Deutschland circa 5 große Auktionshäuser, die im Auftrag von Gläubigern bzw. Insolvenzverwaltern Asssets verwerten, diese sind überwiegend Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände, aber auch Fahrzeuge und Immobilien. Eine Verwertung sollte im Sinne der Gläubiger den bestmöglichen Preis erzielen, dies ist selten der Fall.

Ein Grund liegt natürlich darin, dass die Produkte oft in undefiniertem Zustand sind, also selbst eine einfache Funktionsprüfung ist durch den Verwerter nicht zu leisten, gerade bei teuren Laborgeräten oder IT-Ausstattungen. Ein viel größeres Manko ist aber, dass in nahezu keinem Falle eine unabhängige Logistik aus der Ferne ermöglicht wird. Zwar sind Online-Auktionen mittlerweile Standard, aber es gibt keine Versandlösung. Man muss selbst an 1-3 vorgegebenen Terminen erscheinen und abbauen.

Bieter müssen also einerseits das Totalausfallrisiko wegen eines unklaren Produktzustandes einkalkulieren, als auch die Abhol- und Transportkosten inkl. Arbeitszeit. Das sorgt dafür, dass kleine Auktionen unattraktiv werden, selbst wenn ein einzelnes Schnäppchen zu machen wäre, fährt für einige hundert Euro Vorsteuergewinn niemand durchs Land, außer darauf spezialisierte Unternehmen, die alles ankaufen und verwerten. Diese bieten regelmäßig relativ und erhalten den Zuschlag für relativ geringe Gebote.

Anders sieht es natürlich aus, wenn die Güter in einer größeren Stadt oder gar Metropole abzuholen sind. Hier ist es relativ einfach, ausreichend Bieter und Abhollösungen zu organisieren und dementsprechend hoch steigen die Gebote.

Man kann das ganze schönreden, wenn man folgenden Fall als Beispiel ansieht: Ein Unternehmen mitten im Hinterland im Hohenlohe-Kreis sei gescheitert. Im Bürogebäude sind diverse sperrige fest installierte Dinge zu räumen und zu verwerten, beispielsweise Serverschränke. In den Schränken befinden sich noch diverse Serversystem und andere IT-Geräte, die „bis zuletzt“ im Einsatz waren.

Oft scheint die Aufgaben der Verwertung einzig darin zu liegen, das Objekt möglichst vollständig zu räumen und an den Eigentümer zurückzugeben. Gängige Praxis scheint es deshalb zu sein, sämtliche Dinge mit niedrigen Mindestgeboten anzubieten und keine Versandmöglichkeit einzuräumen, in der Hoffnung, dass o.g. Profi-Bieter mehrere Posten ersteigern und auch den Kram mitnehmen, der sperrig ist. Manchmal wird das auch trickreich gebündelt: Im Rahmen der Verwertung eines Altenheimes der Diakonie in München wurden Serverschränke MIT INHALT als einzelne Posten versteigert. Das Ergebnis entsprach dem halben Neupreis eines(!) Laufwerkes innerhalb des Racks. Dazu muss man wissen, dass gebrauchte Serverschränke keinen Wert haben und je nach Örtlichkeit viel Personal zum Transport erfordern.

Wäre es nicht schlauer, würden Verwerter die Gegenstände einzeln verwerten und mit dem Mehrertrag dann ggf. die Entsorgungskosten sperriger Güter tragen? Gerade Server, Netzwerkgeräte, Storage-Systeme sind relativ einfach zu taxieren, selbst wenn nicht sicher ist, ob sie vollständig betriebsfähig sind. Produktbezeichnungen stehen auf dem Gehäuse/Typenschild oder lassen sich relativ einfach ermitteln.

Letztlich bleibt die Frage, wie viele Verwerter sich an einer Insolvenz bedienen können auf Kosten der Gläubiger. Die ehemaligen Eigentümer haben zwar auch ein Interesse, aber die Chance verstreichen lassen, die Insolvenz zu vermeiden bzw. einen geordneten Rückbau anzustreben. Auktionatoren stehen vermutlich auf dem Standpunkt, dass bei hohen Verbindlichkeiten ein paar 10.000€ nicht mehr ins Gewicht fallen und die geordnete Abwicklung im Vordergrund stünde.

So gesehen blutet mir schon das Herz, dass LTO-Bandlaufwerke für Backups für wenige hundert Euro verkauft werden, die noch immer einen Neupreis von 4500€ haben. Aber so ist das Leben.

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