Schach ist auf professionellem Niveau ein mehr oder weniger unbezahlter Job, der einer Sucht gleicht. Das ganze Leben, der ganze Tag bestehen aus Übungen und Partien gegen Trainer, Online-User oder Engines. Alles mit dem Ziel, eine möglichst hohe Bewertung zu erhalten, denn in der Top 50 der Welt kann man dann etwas Geld verdienen, z.B. als bezahlter Spieler bei der Schachbundesliga oder anderen Wettbewerbern. Früher waren Bücher und Seminare eine mögliche Einnahmequelle, heute sind es dank YouTube und später auch Twitch, Video- und Stream-Abos, Werbeeinnahmen und weiterhin der Verkauf von Online-Kursen.
Gerade Spieler/innen, die es nicht bis ganz nach vorne schaffen oder deren Schach-Karriere altersbedingt bereits vorüber ist, versuchen sich auch sehr an Unterhaltungscontent, bei der das Schachspiel nur noch ein Teilaspekt ist. Damit kann man wunderbar Reichweite aufbauen, Leute freut es, sie zahlen und schauen. Tolle Beispiele sind die Botez-Schwestern aus Kanada, aber auch Anna Cramling, wobei sie durchaus noch schachliche Ambitionen hat und einfach ein super positiver Charakter ist.
Dann gibt es aber noch den Trend, sich „undercover“ bei sogenannten Chess Hustlern vorzustellen und diese dann am Brett zu besiegen. Diese Chess Hustler sitzen für gewöhnlich in den Parks von New York City, Paris, London oder anderen Großstädten und spielen gegen Touristen für Cash. WGM Dina Belenkaya verkleidet sich regelmäßig als Touristin und lässt dann von einer Begleiterin das Spiel aufzeichnen. Dabei kommen die Hustler nie gut weg und das finde ich nicht gut.
Natürlich sind es auf einer gewissen Art und Weise Hütchenspieler, die natürlich mit Trickeröffnungen und Trash-Talk arbeiten, wie jeder andere Schachspieler auch. Aber wenn man sich die Videos ansieht, erkennt man auch die Armut und vermutlichen Suchterkrankungen und mentalen Probleme. Es wäre also viel schöner, würden diese Schach-Streamer/Media-People dafür sorgen, dass diesen Menschen Unterstützung zuteilwird, also abseits der Bretter im Park. Sich über Obdachlose, Behinderte oder Kranke lustig zu machen, ist einfach kein guter Stil.
Gerade als ich diesen Blogpost verfasse, sitzt Dina wieder mit dem Hustler in NYC und streamed live auf der Plattform Kick.com – natürlich ist alles gestaged/abgesprochen, aber letztlich bekommt er ein paar Dollar auf die Hand und das Video und deren Einnahmen bleiben bei Dina.
Siehe auch:
- https://www.chess.com/blog/Rodgy/i-flew-to-new-york-to-play-hustlers
- Anna und Pia Cramling bei demselben Hustler https://www.youtube.com/watch?v=7L9NNSadm4g
- https://www.youtube.com/watch?v=6rqFdzl3YN8
