Nichts ist so individuell, wie das Thema Fahrradsattel. Und nichts ist so unlogisch, wie das Thema Fahrradsattel. Man kann überhaupt nicht von Geschlecht oder Statur ableiten, welcher Sattel wirklich passt. Es gibt Messmöglichkeiten insbesondere, um den Sitzknochen-Abstand zu ermitteln, aber dies ist auch nur noch ein grober Richtwert.
Und die Bedürfnisse verändern sich im Laufe der Zeit aber auch von Rad zu Rad massiv. Niemand wird mit einem kompakten, harten Sattel anfangen wollen. Zu groß sind die Druckbeschwerden, denn niemand wird sich zu Beginn einer „Radkarriere“ jedes Mal in eine Polsterhose zwingen.
Deshalb haben diese breiten Sitz-Sofas mit guter Polsterung schon eine Berechtigung. Wer nur 1x die Woche fährt und meist kurze Strecken in Straßenkleidung, wird damit sicherlich am besten klarkommen. Doch schon wer häufiger sportlich fährt, wird irgendwann Beschwerden bekommen.
Seit dem Beginn 2020 fuhr ich bis vor kurzem ausschließlich Sättel von SQLab. Sie sind wirklich sehr gut und komfortabel. Über die Zeit habe ich immer schmalere Varianten verwendet und hatte auch dankenswerterweise die Gelegenheit einen „Highend“-Sattel zu testen, mit innovativem Polster Made in Germany. Leider ging das Gestell an der Klemmung zu Bruch und ehrlich gesagt hätte mich das Modell aus eigener Tasche um die 200€ gekostet. Das war es mir dann doch nicht wert.
Letztlich fuhr ich dann eine schmalere Variante des 602 Sattels. Bedauerlicherweise habe ich bedingt durch mein Übergewicht seit 2020 Probleme mit einer chronischen Entzündung am Oberschenkel. Mehrere Arztbesuche und 2 ambulante OPs später – auch ein Grund für meine miese Fahrleistung dieses Jahr – scheint das Problem besser zu werden. Die entzündete Haarwurzel wurde entfernt, ungünstigerweise riss die Wunde auf, was dann einen Heilprozess von über 2 Monaten bedeutete.
Mit ein Grund für das Problem war vermutlich, dass ich mit dem Oberschenkel-Innseneitet immer am Sattel gestreift habe, weil dieser zu breit war und ich vermutlich eine Beinlängen-Asymmetrie habe. Schmalere Sättel sind auf den Rennsporteinsatz optimiert, also auf Kraftübertragung und Gewicht. Nichts für schwere Leute.
Aktuell fahre ich nun zwei SMP Sättel: Den SMP Hybrid Gel auf dem Patria und den SMP Lite 209 auf dem Zwift-Rollentrainer (Kann damit 45 Minuten ohne! Polsterhose fahren). Letzter Sattel ist einer der Premium-Modelle (leider mit Leder), den ich neuwertig über Kleinanzeigen erwerben konnte (Obacht: Die Listenpreise bei SMP sind Mondpreise, aktuell viele Angebote bei Radteile-Versendern!). Die geschwungene Form und der sehr große Klemmbereich sind wunderbar, aber man merkt die sparsame Polsterung schon.
Wie oben geschrieben, gibt es keine Abkürzungen. Man muss einfach Sattel ausprobieren und sich auch im Klaren darüber sein, dass Verschleiß, aber auch die eigene körperliche Anpassung immer mal wieder einen Modellwechsel mit sich bringen.