Im Gebäude liegen seit über 15 Jahren Lichtwellenleiter von der Straße durch die Wand bis in den Technikraum im Keller. Die Stadtwerke München habe hier viel Geld (das ansonsten dem Stadthaushalt zugeflossen wäre…) vergraben und viele Gebäude innerhalb des Mittleren Ringes in München erschlossen. Naja, fast. Es wurden LWL in die Zählerräume verlegt, mit der Begründung, dass für Smart Metering in Zukunft auch ein Datenrückkanal notwendig sein wird. Das stimmt, ist aber natürlich eine lahme Rechtfertigung dafür Milliarden zu vergraben. Die Stromzähler sind hier auch weiterhin noch Ferrariszähler aus 1990.
Erhofft hatte man sich hier, wie in vielen anderen Kommunen, ein neues Monopol aufzubauen. Im Gegensatz zu regulierten Märkten wie in der Schweiz, ist bei uns der Glasfaserausbau komplett unreguliert. Es gibt weder einen einheitlichen Standard, eine Pflicht, „dark fibre (also ungenutzt Leitungen) in einem standardisierten Verfahren auch an Konkurrenten zu vermieten. Nichts.
Dumme Politiker und Verwaltungsbeamte haben, wie schon beim Mobilfunk, darauf gesetzt, dass hohe Investitionssummen und exklusive Nutzung der Privatwirtschaft ein Anreiz geben, hier langfristig auszubauen und zu betreiben. Natürlich ist das nicht erfolgt.
Aber auch viele Stadtwerke waren dumm und verbuddelten darüber Unsummen. Fast alle Citynetze sind nach dem Dotcom-Bust oder um 2010 herum an Private verkauft worden, ein Großteil landete über Completel/Versatel heute bei 1&1. Hausanschlüsse sind überwiegend nicht ausgebaut.
Zurück zur SWM: Die Fasern wollte auch niemand anmieten, also hat man sich notgedrungen auch noch einen TK-Provider gegründet, bekannt als M-Net. Technisch gesehen sind zwar sehr viele Gebäude „am Netz“, aber der komplette Ausbau innerhalb der Gebäude, typischerweise Sondereigentum, also Eigentumswohnungen in der Hand unterschiedlicher Eigentümer, fand nie statt. Ausnahmen waren Wohnungsbau- und Immobilienkonzerne, die ganze Objekte besitzen.
Währenddessen hat die Telekom ihr ADSL und später VDSL-Netz ausgebaut, also die aktive DSL- und Glasfasertechnik bis an den Bordstein verlegt in neu aufgestellte Schaltschränke. Auch Kabel Deutschland, heute Vodafone, hat dies getan, auf der Basis des Koax-Kabelnetzes, das eine höhere Bandbreite ermöglicht, als das Kupfer-Telefonnetz für VDSL (dafür Störanfällger ist).
M-Net hat sich auch für VDSL und heute g.fast entschieden, bei der die letzte Meile auch über das Kupferkabel geht, der komplette Glasfaser-Vorbau ist dafür irrelevant, die Terminierung hätte auch vor dem Haus auf der Straße enden können, wie es bei der Telekom oder Vodafone Kabel der Fall ist. Also steht in fast jedem Gebäude „am Glasfasernetz“ eigentlich eine VDSL/g.fast-Endstelle im Keller.
Aber so wie es bei WEGs eben ist – und der unterirdisch schlechten Digitalkompetenz in unserem Land – check niemand den Unterschied und stellt den Antrag. „Wir haben doch schon Glasfaser“ musste ich mir anhören, auch wenn am Ende überall alles über zwei Kupferdrähte in die Wohnung gelangt.
Also warte ich wohl auch weitere 20 Jahre darauf, endlich mal Glasfaser BIS IN DIE WOHNUNG zu bekommen.
Selbst wenn ein Ausbau erfolgt, so sind die Angebote in Deutschland durch das Monopolsystem definiert. Während man in der Schweiz schon über Fibre7 25 Gigabit/s IN BEIDE RICHTUNGEN bekommen kann, wird man auch in München mit geringem Upload bestraft. Was auch an GPON bzw XGS-PON liegt, eine Art „Glasfaser-Ausbau light mit shared Medium“, aber lassen wir das…