Digitale Verschlüsselungen, konkret asymmetrische Verschlüsselungen, hängen von Funktionen ab, die grob gesagt in einer Richtung sehr schnell Ergebnisse liefern und in die andere Richtung quasi unlösbare Hürden darstellen (Rechendauer Millionen von Jahren). Die fortschreitende Prozessorleistung ebenso wie entdeckte Lücken in diesen Funktionen erforderten schon bisher einen regelmäßigen Austausch von Verschlüsselungs- und Hashfunktionen.
Doch praxistaugliche Angriffen sind eigentlich nur möglich, wenn die verschlüsselte Kommunikation üblicherweise zwischen zwei Parteien mitgeschnitten werden konnte. Diese Daten konnten dann in großen Rechenfarmen geknackt werden. Mit der Cloud und GPU-optimierten Brute Force-Prozessen wurden weitere Methoden verwundbar, d.h. für einen geringen Kosteneinsatz entschlüsselbar.
Geht man davon aus, dass staatliche Geheimdienste insbesondere in den USA und China über riesige Finanzmittel verfügen, so kann man hier auch davon ausgehen, dass für diese Dienste noch mehr Verschlüsselungsalgorithmen knackbar sind – schon jetzt.
Das Problem mit Bitcoin ist aber die öffentliche Blockchain. Hier lässt sich eindeutig bestimmen, welcher „Public Key“ über welches Guthaben verfügt, also potenziell lukrativ erscheint. Und die ganze Blockchain ist verteilt und basiert auf einem (noch) sicheren ECDSA-Verschlüsselungsstandard. Man braucht nichts „mitzuschneiden“. Man hat alles on-chain.
Durch Quantencomputing, aber auch durch die Weiterentwicklung im GPU-Bereich, könnten schon in ~10 Jahren Angriffe möglich sein, vorwiegend für o.g. staatliche Akteure. Ein Szenario könnte eine Aktion gegen durch Drogen- oder Waffenhandel oder für sanktionsbrechende Geschäfte genutzte Wallets werden und ein Angriff darauf wäre vermutlich auch rechtlich möglich.
Das Problem daran ist, dass eine erfolgreiche und öffentlich gemachte Aktion sofort einen „Bank Run“ auslösen wird. Also Panikliquidation von Bitcoin-Guthaben. Wer aufgepasst und die Märchen der „Fiat-Geld ist nichts wert“-Prediger aus den Bitcoin-Uhrzeiten erinnert, muss hier schmunzeln: Ausgerechnet ein System, dass von staatlichen Akteuren unabhängig sein soll, könnte hier mit einer Aktion massiv erschüttert oder sogar kollabiert werden.
Vereinzelt gibt es schon Stimmen aus der „Szene“, die auf das Problem hinweisen. Eine Umstellung der Blockchain auf modernere und mutmaßlich durch Quantencomputing weniger anfällige Methoden wäre aber eine Monsteraufgabe und die Uhr tickt.
So wie schon viele von uns durch LLMs „überfahren“ wurden, so könnte hier eine weitere massive Disruption im Digitalbereich drohen.