Fahrrad-Anhänger sind keine neue Erfindung und noch immer gibt es keinen einheitlichen Standard zur Befestigung. Dies hängt einerseits mit unterschiedlichen Einsatzzwecken zusammen, andererseits auch mit den unterschiedlichen Bauformen der Anhänger und Fahrräder oder Mofas:
In Deutschland waren früher die typische Anhänger der Roland Werk mit einer Hochdeichsel verbreitet. Der Vorteil dieser Bauart ist, dass man die Deichsel auch zum manuellen Bewegen des Anhänger als Handwagen verwenden kann.

Angeschlossen werden diese Anhänger typischerweise über eine Kugelkopf-Kupplung von Hebie. welche an der Sattelstütze befestigt wird:

Aus mechanischer Sichtweise wäre aber eine Befestigung nahe an der Hinterachse von Vorteil, da so die Kräfte direkt auf das Rad abgegeben werde und nicht erst über die Sattelstütze.
Nun haben sich seit 25 Jahren Kinderanhänger einer großen Beliebtheit erfreut, diese sind ganz anders aufgebaut und habe keine einfache Wanne. Kinder steigen von vorne ein und sehen nach vorne. Eine Deichsel wäre hier im Weg und würde eventuell auch ein Verletzungsrisiko darstellen. Also begann der Trend dazu, die Tiefdeichseln zu verbauen. Sehr populär und sehr früh am Markt waren die Anhänger des schweizer Sozialbetriebs Leggero. Auf Ricardo, dem „schweizer eBay“ findet man noch sehr viele Varianten:

Letztlich hat jeder Hersteller sein eigens Süppchen gekocht: Unterschiedliche Verbindungselemente, unterschiedliche Montageorte an Fahrrädern und große Varianz in der Stabilität.
Hier kam nun Weber Technik aus Bayern ins Spiel. Weber etablierte die gleichnamige Weber-Kupplung. Vom Hersteller gibt es fast ein dutzend verschieden Varianten für fast alle Räder und Pedelecs. Gleichzeitig sind die Kupplungen TÜV-Geprüft und teilweise auch schwerlastfähig. Trotzdem lassen sie sich leicht öffnen.

Auch ich habe einige Zeit diese Weberkupplung verwendet und habe sie als auch noch einen Anhänger im Bestand (aber nicht in Benutzung). Sie dürfte die beste Universalkupplung im Alltag darstellen. Der Nachkauf ist kein Problem, die Umrüstung bestehender Anhänger sehr oft auch bequem möglich. Selbst für Eigenbauten gibt es eine Deichsel zu kaufen, die man dann am Selbstbau befestigt. Viele Fahrrad-Wohnwagen-Projekte seit 2019 (im Stile von Kreher) sind so ausgestattet und unterwegs.
Der Münchner High-End-Anhänger-Hersteller „Hinterher.com“ setzt primär auch auf das Weber-System:

Aber wir sind noch nicht fertig.
Seit Jahrzehnten wurden auch Mofas und Mopeds mit Anhänger ausgestattet, insbesondere die Schweizer Post war und ist hier sehr involviert. PTT-Mofa-Anhänger sind auch heute noch im Verkehr und diese werden über eine andere Kugelkopf-Schraubkupplung am Zugfahrzeug befestigt: Die sogenannte HAERRY-Kupplung:

Auch diese Kupplung wird traditionell an der Sattelstütze oder einem massiven Gepäckträger befestigt. Der massive Kugelkopf wird hier eingeklemmt und verschraubt. Bei der Hebie-Variante ist der Kugelkopf am Fahrzeug und der Anhänger wird über eine halboffene Kugel als Gegenstück aufgelegt, ähnlich einer PKW-Anhängerkupplung.
Jetzt könnt man sagen: Lokale Produkte haben sich in ihren lokalen Märkten durchgesetzt. Aber es gibt da eine große Ausnahme: Die Carla Cargo GmbH, früher Kenzingen/Herbolzheim, jetzt Nehren (bei Tübingen), ist vermutlich der Weltmarktführer bei großen Lastenanhängern und hat alleine 500 in Südbaden hergestellte Anhänger an Amazon Whole Foods verkauft, welche in New York City im Zustellbetrieb eingesetzt werden. Carla Cargo setzt hierbei auf die HAERRY-Kupplung, wie man auch hier von einem Foto aus New York sieht:


Herausstechend ist die Tatsache, dass alle Carla Cargo-Anhänger über Auflaufbremsen verfügen und andererseits teilweise auch über eine Pedal-Assist-Antrieb (Pedelec). Vermutlich sind Hebie- als auch die Weber-Kupplungen nicht geeignet, sowohl den Schub eines Antriebes als auch die Kräfte zur Auslösung der Auflaufbremse zu halten.
