Die als württembergische Schwarzwaldbahn bezeichnete Bahnstrecke von Stuttgart nach Calw ist jetzt wieder durchgehend im Betrieb. Dabei sah es lange nicht sehr gut aus: Während der untere Abschnitt von Stuttgart bis Weil der Stadt schon seit 1978 im S-Bahn-Netz Stuttgart integriert ist, wurde auf dem restlichen Stück nach Calw 1983 der Personenverkehr und 1988 der Gesamtverkehr nach einem Erdrutsch eingestellt. Die Strecke sollte, wie viele andere auch, abgebaut werden.
Im Gegensatz zu weniger vorausdenkenden Bundesländern (Bayern, Ostdeutschland) gab es aber schon 1988 Bemühungen, die Strecke in anderer Form zu reaktivieren und in den Verkehrsverbund Stuttgart zu integrieren. Jedenfalls gab es keine Bürgermeister, die Bahntrassen zu Bauland oder Umgehungsstraßen veruntreuen wollten, wie es in anderen Bundesländern immer wieder der Fall war.
Doch es klappte lange nicht:
Schon 1987 wurde ein Verein zur Erhaltung gegründet, der es schaffte, den Landreis Calw zum Kauf der Strecke zu bewegen, was 1994 geschah. Somit wurde die Trasse gesichert. Obwohl die Stilllegung vom Eisenbahn-Bundesamt genehmigt wurde, förderte die damalige CDU(!)-Landesregierung den Erhalt durch Einräumung einer 20-jährigen Konzession als Anschlussbahn. Somit war die Trasse nie vom Bahnverkehr freigestellt, wenn auch fast 30 Jahre kein Zug mehr fahren sollte.
Weil man in Baden-Württemberg schlau ist, hat man auch noch Denkmalschutz als Kulturdenkmal beantragt und bekommen, auch hier ein weiterer Anker, der die Trasse sicherte und Bestandsschutz einräumt.
Auch der angrenzende Landkreis Böblingen konnte ab 1994 vom Landkreis Calw mit ins Boot geholt werden und so ließ man das Ziel einer Reaktivierung nie aus den Augen. Noch 2008 unter CDU MP Oettinger wurden Gutachten beauftragt und Beschlüsse gefasst, endlich die Reaktivierung durchzuführen.
2014 gab die mittlerweile Grüne-Rote-Landesregierung unter MP Kretschmann und Verkehrsminister Herrmann eine Förderzusage von 50 Millionen Euro.
Doch es gab schwere Hindernisse zu überwinden: Es gab auch hier Gemeinden, die gegen die Reaktivierung geklagt haben und später auch einen Naturschutzverband. In einem Tunnel hatten sich Fledermäuse eingenistet und diese sind selbstverständlich artengeschützt. Mit viel hin und her konnten bauliche Lösungen getroffen werden und auch die Gemeinden gaben letztendlich ihren Widerstand auf.
Letztlich hat es fast zwei Jahrzehnte vom Beschluss bis zur Betriebsaufnahme gedauert und ein Vielfaches an Kosten verursacht, aber seit 1.2.2026 fährt die Bahn wieder mit top modernen Akku-Hybridzügen ohne lokale Emissionen. Die endgültige Durchbindung nach Renningen dauert zwar noch etwas, aber ein Umstieg zur S-Bahn in Weil der Stadt ist heute schon möglich.
Das Projekt zeigt, dass es letztlich IMMER an den Menschen vor Ort ankommt, die für den Erhalt und den Ausbau von Infrastruktur eintreten, wenn es auch ein jahrzehntelanger und womöglich aussichtslos erscheinender Kampf darstellt. Zumindest in BaWü sind auch einige Reaktivierungen auf CDU-Politiker zurückzuführen, die zumindest den Stein ins Rollen gebracht und den Prozess nicht sabotiert haben (wie es in Bayern oftmals der Fall ist).
Natürlich ist es Verkehrsminister Winfried Herrmann und der Grünen Landesregierung zu verdanken, dass das Projekt jetzt so umgesetzt und in den Betrieb ging. Die Kostenexplosion war schon nahe an „jenseits von Gut und Böse“, aber es ist ein Leuchtturmprojekt und es wurde umgesetzt.
Technisch betrieben wird die Strecke nun von der AVG aus Karlsruhe, den Zugverkehr betreibt die landeseigene SWEG.
Videos dazu:
Abnahmefahrt:
1982:
Zustand der Strecke im Jahr 2000 (Fotos)
http://schwarzwaldbahn.moehrle.net/cwfotos2.htm
Zustand der Strecke im Jahr 2009 (Fotos):