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Was für beeindruckende Karrieren!

Gestern ist das Kanadische E-Commerce-Unternehmen Shopify an die Börse gegangen. Mit einem dualen Listing sowohl an der NYSE als auch an der Toronto Stock Exchange.

Das wäre an sich genommen für uns nichts spannendes, aber die Geschichte hinter den zwei aus Deutschland stammenden Gründern, insbesondere dem CEO, ist extrem spannend und IMHO unbedingt zu erzählen:

Tobias Lütke, heute 34, hat mit 16 in Koblenz die Schule geschmissen und sich stattdessen für eine Ausbildung als Fachinformatiker bei Siemens entschieden. Er lernte dort Java und Java zu hassen.

Auf einem Snowboard-Urlaub in Wistler lernte er und auch sein späterer Mitgründer Daniel Weinand ihre heutigen Ehefrauen kennen und wanderten schliesslich nach Kanada aus.

Aus einem von ihnen aufgebauten Snowboard-Online-Shop entstand dann ein generische Shopsystem als Software as a Service (SaaS) mit heute über 160 000 Shops:

The first Shopify store was our own. In 2004, we took something we loved, snowboarding, and built a business around it. The idea was to set up an online store and create a snowboarding empire. But there was a problem: the software landscape we encountered seemed to work against our ambitions at every step.

— Letter from Tobi http://investors.shopify.com/Home/default.aspx

Tobi entwickelte den Shop in Ruby on Rails, wo er zeitweise Core Team Member war, daneben aber u.a. auch ActiveMerchant, eine OpenSource Bibliothek zur einfachen Anbindung diverser Zahlungsabwickler und vieles mehr: https://github.com/tobi

Daniel Weinand entwickelte mit und kümmert sich bei Shopify um Design und die Firmenkultur.

Selbst 2010, als das Geschäft schon ordentlich brummte, half Tobi auf der Schnitzelconf in Wien gründungswilligen Entwicklern, teilte Rat und seine Erfahrung. Auch ich hatte damals die Gelegenheit mich mit ihm zu unterhalten.

Zwischenzeitlich wurde er „CEO des Jahres“ und Shopify wird nach dem Fall von Blackberry mittlerweile als *DAS* Tech-Aushängeschild Kanadas angesehen.

Heute war also der Börsengang. Der Bürgermeister von Ottawa, dem Firmensitz, gratulierte schon artig per Twitter (und hofft bald ordentliche Steuereinkünfte zu verzeichnen ;-).

Was für beeindruckende Karrieren – von beiden!

 

Weiterführende Links:

„Zwei Deutsche mischen Kanadas Gründerszene auf“ – Mai 201http://blogs.faz.net/netzwirtschaft-blog/2014/05/12/zwei-deutsche-mischen-kanadas-gruenderszene-auf-3647/

„Tech IPO Scorecard: Shopify Skyrockets 51%“ – Mai 2015 http://techcrunch.com/2015/05/21/tech-ipo-scorecard-shopify-skyrockets-51-while-baozun-rises-a-slimmer-4-6/

Shopify Surges in Debut After Larger Than Expected IPO“- Mai 2015 www.bloomberg.com/news/articles/2015-05-20/shopify-raises-131-million-pricing-ipo-above-increased-range

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Podcasting muss sterben, damit Podcasting leben kann!

Podcast ist in den USA im Mainstream angekommen. Lange schon sind Tech-Podcasts in ihren Nischen relevant, doch mit NPRs „This American Life“ gehört schon seit Jahren das reichweitenstärkste Format der „non-tech“-Bereich zur Benchmark. Das Team davon hat über die letzten 15 Jahre das Format ausgebaut, neue Formate gestartet und die Monetarisierung verbessert. Jetzt sind sie in der Lage, auch aufwendige Projekte, wie z.B. „Serial“-Podcast vorzufinanzieren und nachhaltig ihre Truppe zu bezahlen.

In Deutschland herrscht bei allen bekannten Podcastern jedoch eine antikapitalistische Einstellung. Es sind Leute, die es sich leisten können, weil sie einen Job haben, der das Hobby bezahlt (z.B. im Staatsdienst) oder eine Ehefrau haben, die im Staatsdienst gut verdient.

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Founders Talk

Ich möchte an dieser Stelle auf drei interessante Videos von Gregg Pollack hinweisen. Gregg ist Gründer von CodeSchool und hat davor ein SW-Entwicklungsunternehmen namens Envylabs (heute: envy) und zwei in der Ruby relativ bekanntenPodcast namens RailsEnvy bzw Ruby5 gestartet.

Aber das ist nur ein kleiner Teil!

Ich hatte 2008 das Glück ihn bei einem Ruby Usergroup-Treffen in München zu treffen, umso mehr freut es mich, dass so viele erfolgreiche Dinge aufbauen konnte und mit CodeSchool auch einen richtig lukrativen Exit hinlegen konnte 😉

Nun hat er in drei relativ langen Videos nochmals seinen Weg und seine Erfahrungen mit Tipps für andere Gründer zusammengefasst. Während einige Dinge nur in den USA realistisch sind, so dürften viele Dinge auch auf Europa übertragbar sein: Gerade die „Lean Startup“ Herangehensweise hat sich auch hier durchgesetzt.

Video 1

Kommentare bei CodeSchool

 

Video 2

Kommentare bei CodeSchool

 

Video 3

Kommentare bei CodeSchool

 

Bonus (2006/2007) 😉

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Premature Commoditization?

In der Software-Entwicklung bezeichnet man mit dem Ausdruck „premature optimization“ die verfrühte Optimierung einer Anwendung. Dies führt üblicherweise zur Auflösung von Abstraktionsschichten, d.h. zu einer geringeren Lesbarkeit, höheren Komplexität und zu einer geringeren Flexibilität der Software: Ich kann zukünftige Änderungen nicht mehr zentral durchführen, sondern muss mühsam jede Stelle suchen und anpassen.

Sieht man das ganze abstrakt, dann sind auch geläufige Vorurteile/Binsenweisheiten in unserem Lebensalltag eine gewisse Form von „Optimierung“, nämlich der schnellen Entscheidungsfindung und der Vereinfachung von komplexen Zusammenhängen. Dies war in Urzeiten sicher notwendig, um in Krisensituationen (Angriff von Tieren oder Feinden) schnell einschätzen und reagieren zu können, also im besten Falle um zu Überleben.

Auch in der BWL möchte man ein Geschäftsmodell so schnell wie möglich skalieren, also durch Automatisierung und Rationalisierung die Kosten senken (= Rendite steigern), die Umsätze steigern und gegenüber den (potentiellen) Gegner besser aufgestellt sein.

Dies setzt aber einen einfachen Produktzyklus voraus, d.h. nach der initialen Forschungs- und Entwicklungsphase und den Übergang in eine Serienproduktion, werden nur noch wenige Weiterentwicklungskapazitäten notwendig sein: Das Produkt ist fertig, spätestens mit der Auslieferung.

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Zocken mit Oli Samwer

Durch einen glücklichen Umstand konnte ich jüngst eine Domain veräussern und bin nun damit beschäftigt, das eingenommene Geld anzulegen.

Nun weiss vermutlich jeder, der mich kennt, dass ich kein besonders großer Fan der Samwers bin – was auch daran liegt, dass IMHO der Erfolg der Brüder in Deutschland Technologie-orientierte Gründungen behindert.

Anyway — Die Execution-Skills sind beeindruckend, der Umgang mit dem Personal ist als Aktionär sowieso nicht mein Bier, schliesslich wird niemand gezwungen für sie zu arbeiten. Die Bewertungen sind zwar sowohl bei der Zalando SE wie auch bei der Rocket Internet AG abenteuerlich hoch, aber es geht nun mal um die E-Commerce-Herrschaft jenseits der USA und China.

Altaktionäre oder Großinvestoren, die jüngst noch vor dem IPO eingestiegen sind, verpflichten sich zudem ihre Anteile mindestens ein Jahr zu halten.

Der wichtigste Grund für mich ist aber folgender:

Samwers hätten schon nach Alando aufhören können zu arbeiten – sie wollten mehr. Ich sehe nicht, dass die Luft aus Rocket und dem Internet-Markt schon raus ist. Was würde Oli mit seinen Milliarden dann tun? Wo würde er es investieren und wo gibt es ordentliche Chancen? Im Internet!

Kurzum: Im Handel per Erscheinen habe ich mich mit etwas Geld bei beiden Werten eingedeckt – ob ich nun am ersten Handelstag verkaufe oder abwarte – hängt vom Kurs ab.

samwer1

Update:

Schon vor dem IPO sind beide Aktien gefallen – während ich bei Rocket zu 64 und 60€ mit einem nette Gewinn rausgekommen bin, hatte mein Broker Zalando einen Tag vor dem IPO einfach nicht mehr handeln wollen – obwohl Tradegate als Handelspartner weiterhin Kurse und Umsätze hatte. So liefen also hier wieder Verluste welche ich mit einem Zalando PUT-OS nur minimal schönen könnte.

Fazit: Für eine typische vorbörsliche Spekulation wäre ein guter Gewinn mit einem verlässlichen Broker realistisch gewesen. Das crashen beider Aktien schon so schnell nach IPO ist erstaunlich – die Konsortialbanken nahmen das mit der Kurspflege nicht so genau.

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Hosting-Update: August 2014

Wer meine damaligen Postings im Hetzner-Forum oder mein Blog verfolgt, der weiss, wie ich die Zukunft des Hostingmarktes sehe, insbesondere im deutschen Markt.

Jetzt gibt es auch unabhängige Daten, die meine Einschätzungen teilen: DigitalOcean ist mittlerweile der fünftgrößte Webhoster der Welt, wächst noch immer in enormen Tempo und zieht sogar auch von Hetzner deutlich messbar Kunden ab:

DigitalOcean - Growth | Netcraft

Den vollständige Bericht gibt es unter http://trends.netcraft.com/www.digitalocean.com

Mit der unglücklichen Abuse-Policy hat es Hetzner nun auch noch auf Spiegel Online geschafft und wird dadurch, trotz späterer Relativierung/Zurücknahme, sicher im russisch-sprechenden Markt an Popularität verlieren. Gerade hier ist Hetzner noch sehr stark, wird aber einerseits durch die autokratisch/diktatorische russische Politik immer mehr bekämpft (Gesetze gegen das Hosten von Personendaten im Ausland etc) und durch solche o.g. Abuse-Desaster auch bei systemkritischen Nutzern Zuspruch verlieren.

Wenn Putin eine neue Sowjetunion schaffen möchte, wird man es als ausländisches Unternehmen dort nicht mehr leicht haben, egal ob man Hetzner, Amazon, OVH oder DigitalOcean heißt — nur dürfte die wirtschaftliche Abhängigkeit von dieser Zielgruppe bei Hetzner noch am höchsten sein.

Derweil gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass Amazon eine weitere EC2/S3-Location in Betrieb nehmen wird und zwar in Frankfurt am Main.

DigitalOcean hat mittlerweile eine zweite europäische Location in London am Start (neben Amsterdam 1 und 2).

Wer DigitalOcean ausprobieren möchte und dieses Blog unterstützten möchte, kann sich dieses Affiliate-Links bedienen: https://www.digitalocean.com/?refcode=7daab6fdbbec 

 

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Sicherheit durch staatliche Kontrolle?

Wir akzeptieren und fordern von unserem Staat die Kontrolle diverser Unternehmen und Dienstleister in unserem Land. So müssen einzelne Berufsgruppen ihre Qualifikation nachweisen, kritische Unternehmen und Einrichtungen müssen strikte Regeln einhalten und werden überprüft: Jeder Lebensmittelerzeuger, jeder Bauer, jeder Schlachthof, jeder Betreiber von Transport- und Unterhaltungsdienstleistungen (Schausteller), jedes Medienunternehmen wird reguliert und kontrolliert.

Ich bin kein Freund von Überregulierung, wenn es gewährleistet werden kann, dass der Markt etwaige Dienstleister straft, die unterdurchschnittliche Leistungen anbieten. Das ist aber in vielen o.g. Bereichen moralisch nicht vertretbar, stehen in letzter Konsequenz Menschenleben dahinter und niemand will ernsthaft Achterbahnen ohne TÜV-Prüfung sehen…

Doch auch weniger wichtige Dinge werden reguliert. Dinge, die per Gesetz oder Verordnung reguliert werden, bei deren Verstoß nicht unmittelbar Menschenleben in Gefahr stehen. Und in letzter Instanz wird jeder Konzern durch das Kartellamt kontrolliert.

Nun aber zum eigentlichen Thema:

Wir haben uns damit abgefunden, dass der Staat jeden Internet-Service-Provider ab einer gewissen Größe dazu zwingt, eine Abhörschnittstelle bereitzustellen und per Gesetz nicht über die darüber vollzogenen Abhörmaßnahmen zu regeln (TKüV).

Warum sorgt der Staat dann nicht auch für eine Mindestsicherheit bei ITK-Dienstleistern?

So haben diverse deutsche Internet-Provider massive Sicherheitsmängel und bieten noch immer keine 2-Faktor-Authentifzierung an. Das Ausspähen und Mitschneiden von Passwörtern, Kundendaten und ggf. Kunden-Kunden-Daten — all das ist möglich.

Es kann vertuscht werden, weil es keine Pflicht zur Information der Öffentlichkeit gibt. Es gibt keine Standards, es kann gepfuscht werden. Lassen wir den Bereich staatliche Spionage mal aussen vor, so stellt dies eine extreme Verwundbarkeit der deutschen Wirtschaft ggü. insbesondere Asiatischen Angreifern dar. Ob staatliche oder private Wirtschaftsspionage, hier ist es super einfach an Daten zu gelangen und die Provider halten es bis heute nicht für notwendig, ordentliche Sicherungsmaßnahmen einzuführen.

Ich fordere daher folgendes:

1. Jeder Anbieter von ITK-Diensten mit mehr als X Nutzern muss öffentlich  Sicherheitsvorfälle bekannt machen. Es sind sämtliche betroffenen Kunden und Nutzer zu informieren. Dies hat über die eigene Webseite und über ein zu schaffendes Meldeportal der Bundesnetzagentur zu erfolgen.

2. Jeder Anbieter… muss dafür sorgen, dass bis Ende 2015 kein Dienst mehr alleinig mit Benutzernamen/Passwort geschützt wird. D.h. eine 2-Faktor-Authentifizierung einzuführen, gerne mit App-spezifischen-Passwörtern, die aber keine Übernahme des ganzen Zugangs erlauben (vergleiche Google).

3. Sicherheitslücken werden der schwere nach in 3 Kategorien eingeteilt, je nach schwere wird ein Bußgeld von der Bundesnetzagentur festgesetzt.

4. Kommt es innerhalb einer Frist von 2 Jahren zu mehr als 3 kritischen Sicherheitslücken, wird dem Provider untersagt, Neukunden anzunehmen, bis sämtliche Sicherheitslücken analysiert, geschlossen und für Abhilfe für die Zukunft gesorgt ist. Dies muss binnen 4 Wochen nach Bekanntwerden erfolgen, andernfalls wird die Bundesnetzagentur die technische Führung des Unternehmens übernehmen und ggf. den Geschäftsbereich abwickeln. Etwaige Schadenersatzforderungen bleiben natürlich bestehen.